Junge Videoprojekte gegen den rechten Unsinn 17.08.09
Wunsiedel - "Wenn der Nazi ein Ausländer ist, ist er ja eigentlich gegen sich selbst." Es sind Zitate wie diese, die zwei kurze Videofilme - sie hatten am Tag der Demokratie Premiere - zu einem pädagogischen Projekt machen, das im wahrsten Sinne des Wortes Schule machen sollte.

Das Zitat stammt aus dem Mund einer elfjährigen Schülerin des Wunsiedler Luisenburg-Gymnasiums. Denn dem ersten Projekt von Janine Achtert liegt die Idee zugrunde, Sechstklässler zum Thema Neonazis zu befragen. Die 19-jährige Kirchenlamitzerin - Mitglied der im bunten Widerstand immer wieder so kreativen Wunsiedler Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus - kam über einen dümmlichen NPD-Wahlkampfspot auf ihre Filmidee. Auch, weil sie weiß: "In der sechsten Klasse machen Kinder so etwas gerne mit. Und wenn sie mitmachen, wird es viel schwerer sein, sie auf die rechte Seite zu ziehen." Janina Achtert hat zwölf Schülerinnen und Schüler gefragt und die Antworten auf Video gebannt. Antworten, die viele Premierengäste überraschen. Denn die Sechstklässler erkennen anscheinend durch die Bank, wie leicht sich die plumpe Ideologie der Rechten entlarven lässt. Die wird in Janinas Film immer wieder durch eingestreute Neonazi-Zitate dargestellt. Da passt es ganz gut, dass einer der interviewten Schüler auf die Frage nach den Eigenschaften der Nazis spontan sagt: "Nazis sind dumm und gemein. Die machen das nach, was der Hitler gemacht hat. Und der war ja auch dumm und gemein."

Mindestens genau so interessant ist das Videoprojekt von Benedikt Ott. Der 18-jährige Fichtelberger - ebenfalls in der Initiative aktiv - hat in einem Acht-Minuten-Film dokumentiert, wie sich die Nazis immer wieder selbst die vordergründig freundliche Maske herunterreißen, hinter der die hässliche Fratze aus Gewalt, Ausländerhass und Intoleranz steckt. Auf Videoplattformen und rechten Webseiten im Internet ist Benedikt dabei auf rechte Aktivitäten gestoßen, deren ernstgemeinter Inhalt sich dem Normalbürger von selbst lächerlich macht: Etwa eine "nationale Krabbelgruppe" oder der Fußballverein nur für Deutsche. Freilich ist der Videonaut auch auf erschreckende Bilder von einem Rechtsextremismus gestoßen, der zunehmend gesellschaftsfähiger wird. Ein Parteivideo aus Stralsund zeigt, wie die NPD dort beim eigenen Sommerfest auf Stimmenfang geht und von vielen Bürgern akzeptiert wird. Diese Akzeptanz ist es, die Benedikt Ott im Kampf gegen Rechts nicht ruhen lässt. Und ihn überzeugen, "dass die demokratischen Kräfte, vor allem Politiker und Parteien, noch viel zu wenig dagegen machen."

von Frankenpost

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