Bunt, jung, tolerant 28.07.10
Der Junge Tag der Demokratie am letzten Schultag in Wunsiedel ist für die Organisatoren der perfekte Start in die Ferien. Schon die Kleinsten aus dem Kindergarten werden an die Hand genommen, um zu lernen, worum es in einer vielfältigen Welt geht.

"Vielfalt tut gut." Wenn am letzten Schultag Hunderte bunter Luftballons in einen hoffentlich blauen Wunsiedler Himmel steigen, baumeln ebenso viele bunte Flugblätter mit eben dieser Aufschrift an den Schnüren, zeigen, dass Wunsiedel bunt ist, wo immer sie auch landen mögen. Zeigen, dass hier eine Jugend lebt, die einsteht für Vielfalt, Toleranz und Demokratie. So früh wie möglich sollen Kinder und Jugendliche lernen, sich mutig rassistischem Gedankengut entgegen zu stellen. Wie Demokratie gelebt wird, sollen sie erfahren beim ersten Jungen Tag der Demokratie in Wunsiedel.

"Jetzt reicht's, Handeln gegen Rechts" prangt in schwarzen Lettern auf dem T-Shirt von Christian Hartmann. Er gehört zur Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus und ist einer der Organisatoren der großen Openair-Party zum Schulschluss auf dem Marktplatz. Der Termin liegt über zwei Wochen vor Rudolf Heß' Todestag. Der Hitler-Stellvertreter ist Vergangenheit. "Wir wollen keine Werbung für ihn machen", unterstreicht Karl Rost vom Wunsiedler Bündnis gegen Rechtsextremismus. "Wir haben entschieden, dass der bunte Tag erstmals nicht um den Todestag des hier beerdigten Hess stattfindet." Und erstmals richtet sich der bunte Tag in erster Linie an Kinder und Jugendliche. Politiker stehen ebenso wenig im Fokus wie Erwachsene. Den Organisatoren geht es jetzt darum, den Nachwuchs von Kindesbeinen an zu Toleranz zu erziehen.

"Wir dürfen keine Freiräume zulassen bei der Betreuung der Jugendlichen, wo Rechtsextreme rein stoßen können und plötzlich die Guten sind, bloß weil sie sich um einen Spielplatz kümmern", verdeutlichte gestern Bürgermeister Karl-Willi Beck bei einer Pressekonferenz im Wunsiedler Rathaus. Dass man nach langen Diskussionen einen Jungen Tag der Demokratie entwickelt hat, hält Beck für "sehr gut". Und da passe es auch bestens dazu, dass der wegen eines Unwetters ausgefallene Wiesenfestzug der Kindergartenkinder hier mit eingebettet wird. Die Kleinen marschieren um 9 Uhr morgens los und treffen um 9.30 Uhr auf dem Marktplatz ein, wie der Bürgermeister ankündigt. Nach seiner Begrüßung lassen Kindergartenkinder und Grundschüler Hunderte bunter Ballons gen Himmel steigen.

Christian Hartmann, überzeugter Kämpfer gegen Rechts, will die jungen Leute zusammen mit seinen Mitstreitern für die Demokratie begeistern. "Und das geht am besten mit Musik, Essen und Trinken." Denn am letzten Schultag wollten alle einfach nur feiern. Ab 10 Uhr spielt die Lugy-Schulband auf, anschließend zeigen die Breakdancer des Jugendzentrums, was sie drauf haben. Nach der Band "Cork Screw" steht gegen 13.45 Uhr der deutsche Rapper Tibor Sturm alias "Quiet Storm" als Star des Tages auf der Bühne. Stets heftigen Drohungen aus der rechtsextremen Szene ausgesetzt, ist Wunsiedel für ihn der geeignete Platz, junge Menschen mit der Problematik zu konfrontieren.

Auf fünf großen Tafeln - "jede Wunsiedler Schule bekommt dann eine" - können sich alle mit Handabdrücken verewigen und damit ein Zeichen gegen Rassismus setzen, kündigt Karl Rost an. "Der Kernpunkt unserer langfristigen Arbeit ist es, die Jugend ins Boot zu holen."

Selbstverständlich sei der Junge Tag der Demokratie keine Verpflichtung für die Schüler, betont Mitorganisator Arno Speiser. "Aber die Schulbusse fahren etwas später, damit auch alle teilnehmen können." Und es könnten auch Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Landkreis mitmachen. Ebenso willkommen seien Erwachsene, um mit den Jugendlichen zu diskutieren.

Simone Richter, Leiterin der Projektstelle gegen Rechtsextremismus, ist froh darüber, dass die Jugend jetzt stark in den Tag der Demokratie eingebunden wird. "Es ist ein wichtiges Signal, schon die Kleinen an die Hand zu nehmen. Demokratische Erziehung muss ganz früh beginnen." Viele Kindergärten wagten sich nicht an das Thema Rechtsextremismus, "deshalb waren alle gleich begeistert mit dabei". Man müsse den Kindern erklären, worum es geht in einer bunten, vielfältigen Welt, betont Simone Richter.

Den Flyer in groß zum Ausdrucken gibt es hier: Flyer

von Peggy Biczysko, Frankenpost

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