Zeichen gegen Rechts 23.09.10
Den von der NPD geplanten Marsch durch die Kreisstadt nimmt das Wunsiedler Bündnis nicht hin. Es wird mit Aktionen Flagge zeigen und dabei die Opfer der Nazis und Neonazis ins Zentrum rücken.

Für Arno Speiser ist die Sache ganz klar. "Wir müssen den Rechten zeigen, dass sie in Wunsiedel nicht willkommen sind", sagt er als einer der vier Sprecher des Wunsiedler Bündnisses gegen Rechtsextremismus für Demokratie und Menschenwürde. Und das Bündnis müsse noch etwas verdeutlichen: "Bei den Rechtsextremen handelt es sich um Antidemokraten. Die wollen eine andere Republik."

Absurde Veranstaltung

Das Wunsiedler Bündnis wolle deshalb am 30. Oktober - für den Tag hat die NPD einen Gedenkmarsch für ihren toten Vizevorsitzenden Jürgen Rieger in Wunsiedel angemeldet - entschieden entgegentreten, wie Speiser sagt. Der rechten Szene soll auch gezeigt werden, wie absurd ihre Veranstaltung zum Gedenken an Jürgen Rieger gerade in Wunsiedel ist. Denn: "Rieger hat in Wunsiedel seine größte Niederlage erlitten." Speiser spielt darauf an, dass der Rechtsanwalt Rieger immer wieder versucht hatte, in der Kreisstadt einen Gedenkmarsch für den Kriegsverbrecher Rudolf Heß zu etablieren, aber letztlich von der Justiz ganz klar ausgebremst worden ist. Denn Märsche zum Gedenken an Rudolf Heß sind in der Stadt, in der der Hitler-Stellvertreter begraben ist, nicht zulässig.

Und in diesem Zusammenhang ist Arno Speiser bei einem zweiten Punkt, den das Wunsiedler Bündnis klar stellen wolle: In Wirklichkeit gedenke die rechtsextreme Szene hier nicht Jürgen Rieger. "Wir wollen zeigen, dass es sich um eine Heß-Ersatzveranstaltung handelt." Das betont auch der evangelische Pfarrer Jürgen Schödel. Er geht dabei noch weiter: "Schon das Heß-Gedenken war nur ein Alibi. Da ging es immer nur darum, den Nationalsozialismus zu verherrlichen."

Am Dienstagabend hat sich das Wunsiedler Bündnis zu einer Vorbesprechung getroffen und die Weichen für den 30. Oktober gestellt. Dabei zeigte sich erneut eines: Das Bündnis ist breit aufgestellt, hier arbeiten Bürger, Politiker, Kirchenleute und Vertreter aus den verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen eng zusammen. "Natürlich ist wieder die komplette Crew mit dabei", sagt Arno Speiser und listet auf: Die Stadt, die Bürgerinitiative "Wunsiedel ist bunt", die Jugendinitiative gegen Rechtsextremismus, die Tröstauer Bürgerinitiative, die Kirchen, das evangelische Bildungszentrum Alexandersbad, die politischen Parteien, die Gewerkschaften und der VVN/BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten).

Die beiden großen Kirchen werden am 30. Oktober - am Tag vor dem Reformationstag und vor Allerheiligen - einen ökumenischen Gottesdienst feiern - bewusst in der Friedhofskirche und als Friedensgebets-Gottesdienst, wie Schödel betont. Auf dem Marktplatz sei dann ein Kirchencafé geplant. Motto: "Wachet und betet." "Unser Anliegen ist die Wachsamkeit und das Gedenken an die tatsächlichen Opfer", sagt der Pfarrer.

Das Gedenken an die tatsächlichen Opfer ist dem gesamten Wunsiedler Bündnis ein Anliegen: "Das Wirken der geistigen Brandstifter im Dritten Reich hat dazu geführt, dass es zu Todesmärschen auch durch Wunsiedel gekommen ist", sagt Arno Speiser. Und die geistigen Brandstifter von heute (Speiser: "Da zähle ich Jürger Rieger ganz klar dazu", hätten in Deutschland zu 150 Todesopfern rechter Gewalt seit 1990 geführt." Deshalb will das Wunsiedler Bündnis auch die Opfer des Todesmarsches und die Opfer rechtsextremer Gewalt der jüngeren Vergangenheit in den Mittelpunkt seiner Aktionen stellen. Über die genauen Aktionen wollte Speiser noch nicht sprechen, aber es könnte so ähnlich wie im Vorjahr sein. Damals erinnerten die Wunsiedler mit "Lichter gegen das Vergessen" an die Opfer. Aber stärker als im Vorjahr wolle man der Öffentlichkeit und vor allem auch den Rechtsextremen verdeutlichen, dass Rieger in Wunsiedel keinen Triumph hatte."

Das Landratsamt prüft

Das Landratsamt prüft derzeit den Antrag der NPD, die eine Jürgen-Rieger-Gedächtnisveranstaltung angemeldet hat. Bis Mitte Oktober soll eine Entscheidung vorliegen. Im vergangenen Jahr hatte die Behörde den Marsch untersagt mit dem Argument, es handle sich um eine Ersatzveranstaltung für die verbotenen Rudolf-Heß-Märsche. Der Verwaltungsgerichtshof in München sah das jedoch anders.

von Thomas Scharnagl, Frankenpost
Foto: Manuel Riedl

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